Einige Gedanken zur Umfahrung Sillian

Realistisch gesehen und logisch betrachtet müssten eigentlich fast alle Beteiligten mit dem praktischen Aus der Umfahrung Sillian zufrieden sein.
Die Bundesstraßenverwaltung ist für die Durchzugsstraßen zuständig. Viele derzeit nicht finanzierbare Projekte in ganz Tirol liegen in der Schublade. Betrachtet man diese umfangreiche Liste und vergleicht die einzelnen Vorhaben liegt Sillian, was die Verkehrsfrequenz auf der B 100 und den Zeitverlust bei der Ortsdurchfahrt betrifft, im unteren Bereich. Die Zeitersparnis, die eine Umfahrungsstraße bringt, ist minimal.
Derzeit stehen Euro 14 Mio, die ausschließlich für den Osttiroler Abschnitt der Drautal-Bundesstraße verwendet werden müssen, zur Verfügung. Wo und wie soll dieses Geld verwendet werden? 15 km Spurrinnen zeigen die Dringlichkeit einer Sanierung der Fahrbahn von Lienz bis Abfaltersbach auf. Von Debant bis Lienz steht der Verkehr oft still. Der Durchreisende verliert erheblich Zeit, was in Sillian nicht der Fall ist. Begreiflich ist aber auch das Bestreben des Sillianer Gemeinderates den Verkehr in der Ortschaft zu vermindern und mit einer Südumfahrung das Gewerbegebiet beim Bahnhof zu erschließen. Es ist Bürgermeister Schiffmann gelungen, von Landeshauptmann Van Staa die Zusage zu erhalten,
zu den vorhandenen Euro 14 Mio weitere 14 Mio aus dem Topf der gesamten Tiroler Bundesmittel zu bekommen. Nun haben aber die Hochwasserschäden in Nordtirol vom vergangenen Jahr ein gewaltiges finanzielles Loch hinterlassen und derzeit stehen die Gelder nicht zur Verfügung.

Unterirdische Straßenführungen sind äußerst problematisch

Gemeinderat und Landesregierung haben wiederholt betont, keine Grundenteignungen vornehmen zu wollen. Die Nachbargemeinde Heinfels hat sich vor dem Bau des Feriendorfes Tschurtschenthaler zweimal gegen eine Südumfahrung ausgesprochen. Im Falle einer unterirdischen Straßenführung sieht man die Dinge allerdings anders. Um aber den Sinn des Gemeinderatsbeschlusses zu erfüllen, das heißt, den Verkehr nicht an der Sonnseite der Ferienhäuser vorbeizuführen, müsste die Straße in einen Tunnel verlegt werden. Genau dies würde auch die geplante Skiverbindung zwischen Sillian und Sexten ermöglichen.
Unterirdische Straßenführungen sind im Sillianer Talboden äußerst problematisch. Ein bis zu 50 m tiefer einstmaliger See, der im Laufe der Zeit und im Zuge tektonischer Hebungen auf gelandet ist, bietet schlechte Voraussetzungen für einen Tunnel. Im trockenen Berg, das heißt im Gestein, ist alles leichter zu bewältigen.

Ein Naherholungsgebiet ersten Ranges

Die Häuser von Sillian sind nach Süden orientiert und das ist der wertvollere Grund vor dem Haus. Der Verkehrslärm einer Durchzugsstraße im Süden (Tag und Nacht) trifft diese Objekte aber auch alle am sonnseitigen Hang des Sillianerberges gelegenen Häuser voll. Derzeit wird der Verkehrslärm durch die Häuserschlucht im Ortsgebiet aufgefangen und dringt nur sehr abgeschwächt nach außen, was bei einer offenen Straße nicht der Fall ist.
Schließlich ist das Gebiet entlang der Drau ein Naherholungsgebiet ersten Ranges und kann auch für einen kurzen Spaziergang genützt werden. Der inzwischen sehr beliebte Drauradweg verliert durch eine unmittelbar daneben liegende Straße den Erholungswert vollkommen. Lästig ist das Reifengeräusch der Lkw und ganz besonders sind es die Motorräder, die keine Geschwindigkeitsbeschränkungen kennen. Am Spitzkofel - also 2.000 m oberhalb von Lienz - hört man nur das leise Rauschen der Drau und die aufheulenden Motorräder vom Iselsberg herüber.
Sollte die geplante Südumfahrung von Sillian nicht zustande kommen, ergibt sich folgendes Bild:
Die Bundesstraßenverwaltung kann die dringend notwendige Sanierung der B 100 durchführen. Nordtirol spart sich die Euro 14 Mio.

Große Chance für den Tourismus

Der Tourismus erhält eine große Chance für die Zukunft. Das einzige Gebiet in einem Talboden, das für den Fremdenverkehr genutzt werden kann, liegt zwischen Sillian und Panzendorf. Hier ist Platz für Betten so günstig gelegen wie nirgends wo. Verkehrstechnisch auch angeschlossen mitten in einem Wintererholungsraum vom Thurntaler über den Helm bis zur Rotwandwiese in Sexten. Hier ist dringender Handlungsbedarf für die Raumordnung gegeben.

Infolge einer Absage der geplanten Umfahrung wird man in Sillian seitens der Bundesstraßenverwaltung etwas tun müssen. Die betroffenen Grundbesitzer und die Landwirtschaft können aufatmen. Ohne die Initiative von Bürgermeister Schiffmann hätte sich in der Verkehrssituation nichts geändert. So werden doch, auch wenn die Umfahrung nicht zustande kommt, einige verkehrstechnische Maßnahmen getroffen, ohne das Gemeindebudget sehr zu belasten. Ein besserer Anschluss des Gebietes beim Bahnhof wird sicherlich nicht leicht sein. Die Behinderung durch Bahnschranken sollte nicht überbewertet werden. Der Bahnübergang bei Thal an der B 100 hat den Verkehrsfluss kaum beeinträchtigt und eher zu einer Entflechtung durch gefahrloseres Überholen beigetragen. Jahrzehntelange Bemühungen eines der schönsten hochgelegenen schneesicheren Gebiete, den Thurntaler, zu erschließen sind in Erfüllung gegangen und gleichzeitig damit die Schaffung der erforderlichen Betten.

Potenzial muss erkannt werden

Hier hat neben der Privatinitiative die Gemeindeführung die schwierigen grundsätzlichen Vorbedingungen geschaffen. Sie sollte aber auch das enorme Potenzial, das an der Sillianer Sonnseite und der Sillianer Schattseite liegt, nicht übersehen. Dazwischen liegt ein Gebiet, so günstig wie nirgendwo, wie bereits betont, und alle Anstrengungen sollen in dieser Richtung unternommen werden. Das nicht Zustandekommen der Sillianer Südumfahrung könnte auch das Problem mit dem Feriendorf lösen. Für die heimische Wirtschaft ist der derzeitige Zustand ein Schaden und es wäre längst an der Zeit gewesen nicht immer alles, wie es derzeit der Fall ist, hinauszuschieben.

Wie Ortsumfahrungen ausgeführt werden können sieht man im Südtiroler Pustertal, wo in den letzten Jahrzehnten enormes geleistet wurde. Die Drautal-Bundesstraße in Osttirol hingegen
ist ein Stiefkind geworden. Nur auf Kärntner Seite hat sich etwas getan. Dass Straßen die Grundlage für Wirtschaft, Freizeit und unsere enorme Bewegungsfreiheit darstellen, dürfte unbestritten sein.
Denn schon die Römer konnten ihr Reich nur mit Hilfe von Straßen aufbauen.

A. Thenius

Lienz, im Mai 2007

 

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