Nachstehende Inhalte beziehen sich auf die große "Südumfahrung Sillian - Heinfels" aus dem Jahr 2004. Das Projekt wurde ab 2007 in dieser Ausführung nicht mehr weiterverfolgt.

Zahlen&Fakten

Länge:

6,107 km

Kostenrahmen 2003:

28 Mio EUR
Kostenschätzung 2003:

24,25 Mio EUR;
ohne Unterflurtrasse Rabland,
ohne Einhausung Asthöfe,
ohne erforderliche Grundablösen
ohne Bewertung schwieriger geologischer Verhältnisse

Kostenschätzung 2007:

mindestens 50 Mio EUR
ohne Bewertung schwieriger geologischer Verhältnisse

Projektierungsbeginn: Juni 2005*
Projektierungsende: Mai 2006*
Baubeginn geplant: November 2006*
Fertigstellung geplant: 2010*
   
Derzeitiges Verkehrsaufkommen: ca. 5.600 Fahrzeuge/DTV
aktuelle Zahlen (Land Tirol - Verkehrsdatenerfassung)
Vekehrskaufkommen 2015 (Prognose DI Köll)

ca. 14.500 Kfz

davon 9.000 Kfz auf der derzeitigen B 100 (keine Entlastung durch den örtlichen Ziel- und Quellverkehr)


die restlichen 4.500 Kfz (=Transit) auf der neuen Umfahrungsstraße

* Erste Verschiebung der geplanten Termine im Herbst 2005, endgültiges Aus für die Umfahrung Sillian-Süd im Mai 2007. Die angegebenen Zeitpläne sind demnach nicht mehr relevant.

Übersichtslageplan, Stand Jänner 2004

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Bereich Arnbach-Silian >>
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Bereich Heinfels >>

Fotos der Präsentation, 30. Jänner 2004

Vergleich verschiedene Ortsumfahrungen

  Sillian Abfaltersbach Brixen i. Th.
Länge: 6,107 km 2,7 km 3,19 km
Kosten geschätzt: 28 Mio EUR 6,5 Mio EUR (90 Mio ATS) 30 Mio EUR
Kosten tatsächlich:   11,32 Mio EUR  
Unterflurtrasse in % der Gesamt-Trassenlänge   - 52 %

In seinem Bericht (Zl 001.507/084-E1/03) bemängelt der Rechnungshof von Tirol u. a. folgenden Punkt bei der Umfahrung Abfaltersbach:

"(...) 4. 2. Der RH beanstandete die ungenügende Bauvorbereitung, das ungenau ausgearbeitete Leistungsverzeichnis und die mangelhafte Angebotsprüfung.
Die geotechnischen Schwierigkeiten beim dritten Bauabschnitt in Verbindung mit einer geänderten Bauweise wurden erst sehr spät erkannt. Dies hatte zur Folge, dass die Arbeiten unter dem erhöhten Druck gefahrabwendender Sofortmaßnahmen zu nicht dem Wettbewerb unterworfenen Preisen durchgeführt wurden."

Zeittafel Umfahrung Sillian

Die Vorgeschichte:

Über Jahrzehnte diskutierte man in Sillian über eine Umfahrungsstraße und Entlastung des Ortszentrums. Über Jahre gab es die verschiedensten Ansätze, die Engstellen des "Marktls" durch eine neue Straße zu entschärfen. Nur wie? In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde bereits ein Rohbau abgetragen, der der neuen Straße weichen sollte. Liefe die Straße heute wie damals geplant, so würden weder Sportplatz, Hauptschule noch viele Privathäuser und Wohnungen entlang dieser Trasse stehen.

In den frühen achtziger Jahren wurde versucht, auf Pfeilern den Talboden Sillians zu queren und erhöht im Süden Richtung Grenze eine Straße zu ziehen. Dieses Vorhaben scheiterte nicht nur an dem Widerstand der Anrainer, sondern vor allem an den labilen Bodenverhältnissen.

Aller guten Dinge sind drei, und so unternahm die Landesbaudirektion Ende der neunziger Jahre einen dritten Versuch, eine Südumfahrung zu trassieren. Wiederum erwies sich der Sillianer Talboden alles andere als umfahrungsstraßenfähig - zumindest nicht mit den vorgesehenen finanziellen Mitteln. Neben der Südvariante wurden noch Tunnelvarianten geprüft, die sich ebenso als zu teuer herausstellten.

Insgesamt wurden 5 Nordvarianten und 2 Südvarianten (Süd I wurde schon 2001 von der Bevölkerung vehement abgelehnt) vom Planungsbüro Köll (Reith bei Seefeld) unter die Lupe genommen, bewertet und schlussendlich die Empfehlung gegeben, dass die Südvariante II doch machbar wäre.

Von Beginn der Präsentation am 30. Jänner 2004 bis zum heutigen Tag steht die Realisierung dieser Variante unter dem Motto: Die Umfahrung Sillian-Heinfels darf 28 Millionen Euro kosten. Und keinen Cent mehr. Egal was da an Wasser und Widerstand hochkommt.

Somit hatte nun Sillian die Qual der Wahl: Eine Südvariante, die niemand haben will oder wiederum weitere Jahre auf eine Umfahrungslösung hoffen. Mehr Geld gäbe es nicht, hieß es von Landesseite. Dazu sei Sillian einfach nicht wichtig genug, damit es das fordern könnte, was es gerne hätte.

Das Land Tirol versuchte unter LR Konrad Streiter, den notwendigen Druck durch ein Ultimatum auf Sillian auszuüben. Sillian habe bis Mai 2004, das heißt innerhalb von fünf Monaten, Zeit sich für oder gegen die "Amtsstraße" zu entscheiden. Sonst stehe das Landes-Geld (14 Mio von 28 Mio EUR) nicht mehr zur Verfügung, so Streiter.

Die folgenden Monate bis zur Entscheidung des Gemeinderates am 18. Juni 2004 waren geprägt von hitzigen Debatten, Diskussionen, Vermutungen und Anschuldigungen. Offen blieben die vielen berechtigten Fragen. Die Antworten blieb das Land schuldig. Zuerst ein Ja, dann gibt es weitere Auskünfte und eine Detailplanung, dann stelle man sich den Fragen der Gemeinderäte und der betroffenen Anrainer und Grundbesitzer. Vorher nicht - und Gespräche mit den betroffenen Grundeigentümern würden sowieso keinen Sinn ergeben, schon gar nicht vor einer Detailplanung ...

Umfahrungsvariante Süd II - Die Chronologie
Datum  
Ende Dezember 2003

Die Bürgermeister von Sillian und Heinfels werden über die geplante 6,2 km lange Südumfahrung von LR Konrad Streiter informiert. Bgm. Kofler interveniert gegen die geplante Trassenführung vor der Rablandsiedlung und fordert eine zweite Variante, die die Drau und Villgraterbach unterirdisch quert.

Die von Bgm. Kofler vorgeschlagene Variante wird innerhalb drei Wochen eingezeichnet

30. 1. 2004 Vorstellung des Projektes „Südumfahrung Sillian“ in der Aula der Hauptschule mit LR Konrad Streiter, HR DI Robert Müller (Abteilungsleiter Straßenbau Land Tirol), DI Dr. Christian Molzer (für die Planung zuständig), Bgm. Kofler und Bgm. Schiffmann, DI Harald Haider (Bezirksbaudirektion, Moderation)
2. 2. 2004 Die von der Umfahrung hauptbetroffenen Grundeigentümer werden von Bgm. Schiffmann eingeladen, konkrete Vorstellungen und Anmerkungen zur geplanten Straße einzubringen.Generell wird eine Nordumfahrung als einzig vernünftige Lösung gefordert. Sollte die Umfahrung im Süden verlaufen, können sich die Grundbesitzer nur eine Variante vorstellen, die abseits vom Siedlungsraum (Waldnähe) und durch Tunnel (hinter den Asthöfen) verläuft. Damit wäre auch gleichzeitig sichergestellt, dass im Bereich der geplanten Skischaukel kein Grund für die Straße verloren geht und das Projekt trotzdem an die Umfahrung angebunden werden kann. Anwesende: Bgm. Schiffmann, GV Ortner, Mair Josef, Leiter Peter, Kraler Alois, Senfter Johann, Leiter Bernhard, Kraler Hermann, Kraler Anton, Kraler Herbert
16. 4. 2004

Treffen der Gemeindevorstände von Sillian mit LR Streiter und LH van Staa in Innsbruck. Von Seiten des Landes wurden Sillian drei Alternativen angeboten:

1.) Eine „Nullvariante“:
Falls Bevölkerung und Gemeinderat gegen eine Umfahrung sind – oder man sich nicht auf eine Variante einigen kann, wird es gegen den Willen der Sillianer auch kein Bauvorhaben geben.

2.) Verwendung der Mittel im Ortszentrum:
Die Nordvarianten einer Umfahrung sind mit dem vorgegebenen Kostenrahmen aus Sicht des Landes nicht machbar. Falls die Gemeinde gegen eine Südvariante ist, werden die vom Bund für den Ausbau der Drautalstraße auf Tiroler Seite zur Verfügung gestellten 14 Mio. EURO für Verkehrsmaßnahmen im Ortszentrum von Sillian verwendet (z.B. Straßensanierungen, Haus- und Grundstücksablösen, die für eine Verkehrsverbesserung notwendige sind, usw.)

3.) Bau einer Nord-Umfahrung, falls finanzierbar:
Sollte die Gemeindeführung von Sillian eine private Baufirma finden, die die Nordvariante um garantierte Baukosten von max. 28 Mio. EURO und unter Vorlage einer Bankgarantie für etwaig notwendige Fertigstellungskosten, errichtet, würde die Landesregierung einer Nordvariante zustimmen

12. 5. 2004 Arbeitssitzung des Gemeinderates zur Umfahrung Sillian.
GV Hermann Mitteregger schlägt nach ausführlicher Diskussion vor, dass demnächst noch eine Begehung an Ort und Stelle gemacht wird, was allgemeine Zustimmung findet.
31. 5. 2004 Gemeinsame Begehung und Besichtigung der geplanten Südvariante lt. Planunterlagen des Landes. Ergebnisse: im Wesentlichen sollte sich die Straße am Bahnkörper orientieren, hier aber die meiste Zeit als Unterflurtrasse ausgeführt werden (Obermoos – Kleineggele), im Bereich Sillian Mitte ist nur eine Abfahrt im Bereich Kassewalder vorstellbar, genauso kann sich der Gemeinderat eine zufriedenstellende Lösung bei den Asthöfen nur durch einen ca. 700 m langen Südtunnel im Berg vorstellen.
4. 6. 2004 Arbeitssitzung der Gemeinderäte von Sillian und Heinfels mit LR Konrad Streiter, DI Müller, DI Dr. Molzer, DI Haider

- kein Ergebnis, das Land Tirol macht eine Zustimmung zur Detailplanung von einer vorherigen positiven Zusage der Gemeinden abhängig

- GR Erwin Ortner zweifelt erstmals die vom Land in Erwähnung gezogene UVP an (keine gesetzliche Notwendigkeit)

- GR Leiter kann sich keine freiwillige Zustimmung zur Grundablöse vorstellen

- Streiter fordert GR Beschluss bis Ende Juni
18. 6. 2004

GR – Sitzung zur Umfahrung Sillian.

Die Marktgemeinde Sillian stimmt der Ausführung des Projektes auf ihrem Gemeindegebiet mit der Maßgabe zu, dass bei der Detailprojektierung folgende Umstände Berücksichtigung finden (10 Punkte).

Die Opposition macht nochmals nachdrücklich darauf aufmerksam, dass Punkt 10 (UVP) derzeit nicht gesetzlich vorgesehen ist. GR Leiter verliest die Erklärung der 13 Grundeigentümer, die keine Gründe freiwillig zur Verfügung stellen wollen; weiters die Erklärung von 5 Grundeigentümern (Hans Lercher, Kraler Josef, Kraler Alois, Peter Leiter, Bürgler Andreas), die die Optionsverträge mit der Erlebniswelt Dolomiten GesmbH bei Realisierung der Südvariante zurückziehen wollen.

16. 8. 2004 Das Land Tirol (Abt. Straßenbau) beantragt festzustellen, dass keine UVP für die Umfahrung Sillian-Heinfels erforderlich ist
7. 10. 2004 Die Gemeinden Sillian und Heinfels geben eine Stellungnahme im Zuge des Feststellungsverfahren ab, u. a. vertreten die Gemeinden Sillian und Heinfels die Auffassung, dass mit erheblichen schädlichen, belästigenden Auswirkungen auf die Umwelt zu rechnen ist.
9. 12. 2004

Feststellungsbescheid
Die zuständige Behörde (Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz) kommt zum Entschluss, dass nach den Bestimmungen des UVP 2000 in der geltenden Fassung keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist.

28. 1. 2005

Die Landesbaudirektion nimmt erstmals schriftlich Stellung zu den geforderten 10 Punkten des Schreibens der Gemeinde Sillian vom 29. 6. 2004.

Zusammenfassend wird hier versucht, im wesentlichen, nach Möglichkeit, unter Berücksichtung des Standes der Technik die Punkte einzuhalten. Ausnahme ist Punkt 10 (UVP), nachdem dieses Verfahren gesetzlich nicht durchzuführen ist.

28. 1. 2005 Schreiben LR Konrad Streiter an die Bürgermeister von Sillian und Heinfels mit der Anmerkung, dass „bei mangelnder Unterstützung des gegenständlichen Landesstraßenbauvorhabens durch die Gemeinderäte der beiden betroffenen Gemeinden, das Projekt von Landesseite nicht mehr weiter verfolgt wird ...“
2. 2. 2005

Die Marktgemeinde Sillian beschließt, gegen den Feststellungsbescheid keine Berufung einzulegen. Nach Meinung der Rechtsanwälte Onz&Onz, Kraemmer&Hüttler und der Dr. Dolp (Abteilung Umweltschutz) hat diese wenig Aussicht auf Erfolg. Punkt 10 des Gemeinderatsbeschlusses wird abgeändert (die Marktgemeinde akzeptiert, dass von der Behörde kein UVP-Verfahren durchgeführt wird und ist mit der angeführten Verfahrensabwicklung einverstanden). Statt dem UVP ist nun ein naturschutzrechtliches Verfahren vorgesehen.

Die bedingungslose Erfüllung aller 10 Punkte ist kein Thema mehr.

9. 3. 2005

Schreiben der 10 Grundbesitzer, denen ca. 40 % der Gesamtlänge der geplanten Umfahrung gehören, an LR Streiter. Darin wird nochmals mitgeteilt, für das Straßenprojekt keine Flächen zur Verfügung zu stellen und Gespräche nur mehr vor Ort und in der Gruppe akzeptieren zu wollen.

8. 6. 2005

Der Gemeinderat beschließt, folgende Personen für den sogenannten "Umfahrungsausschuss" zu nominieren: Schiffmann, Ortner Andreas, Trauner, Duracher, Calovi; Walder Josef, vlg. Felder; als unabhängier Experte: DI Hugo Knoll.

Bgm. Schiffmann bestimmt, wer von der Opposition nominiert werden soll. Der Vorschlag, die Gemeindevorstände Leiter oder Mitteregger in das Gremium aufzunehmen, wird von der Mehrheit (=Bürgermeisterliste) abgelehnt. Begründung: Leiter vertrete nur private Interessen. Mitteregger wird ohne Angabe von Gründen nicht akzeptiert.

22. 6. 2005

Erste Projektbesprechung zur Umfahrung Sillian mit den Umfahrungsausschüssen beider Gemeinden in Sillian in Anwesenheit von LR Streiter und HR Müller von der Landesbaudirektion.

22. 9. 2005 Nach der Hochwasserkatastrophe in Nordtirol werden die für die Umfahrung Sillian vorgesehenen Mittel für die Beseitigung der Schäden verwendet. Die Planungen sollten abgeschlossen werden, mit dem Bau der Umfahrung kann frühestens 2008 begonnen werden.
23. 11. 2005 Schreiben der Landesbaudirektion an die Bürgermeister von Sillian und Heinfels, mit der Bitte, von den betroffenen Grundbesitzern die Zustimmung zu den Aufschlussbohrungen zu erwirken.
20. 12. 2005 Im Zuge der Regierungsumbildung tritt auch LR Konrad Streiter, bisher für die Umfahrung Sillian zuständig, zurück. Seine Agenden übernimmt der neue Agrarlandesrat und Bauernbundobmann Anton Steixner.
16. 1. 2006

Übermittlung der Zustimmungserklärung zu den Aufschlussbohrungen für die geplante Umfahrung an die Landesbaudirektion. Es fehlen die Unterschriften der drei größten Grundbesitzer. Seitens der Landesbaudirektion besteht keine Bereitschaft, Auskunft über den derzeitigen Planungsstand zu geben.

Eine weitere geplante Bohrung im Bereich Sillian-Mitte wird Mitte Februar vom betreffenden Grundbesitzer abgelehnt.

21. 3. 2006 Die Bezirkshauptmannschaft Lienz genehmigt die Durchführung von Boden- und Grundwasseruntersuchungen
19. 7. 2006 Treffen der Grundbesitzer mit LR Steixner und HR DI Müller vor Ort. Präsentation des momentanen Planungsstandes. An der ursprünglichen Trasse ändert sich nichts.
21. 5. 2007 Vorläufiges Aus für die Umfahrung Sillian-Süd.
Nach einer neuen Projektstudie, in der die Kosten für die von der Bevölkerung gewünschten Einhausungen und Unterlurtrassen (Rabland) einkalkuliert worden sind, wird nun mit 50 Millionen EUR (bisher 28 + 2 Millionen EUR) gerechnet - Die Südvariante ist zu teuer und nicht finanzierbar.